Sommerschule 2022 – Programm

Wir werden hier den aktuellen Stand veröffentlichen, nach und nach weitere Veranstaltungen hinzufügen und voraussichtlich Ende Mai/Anfang Juni den endgültigen Zeitplan hochladen. Sofern zwischenzeitlich Tage und Zeiten bereits feststehen, schreiben wir das dazu.

Podium: Kampf für Klimagerechtigkeit im Angesicht der Apokalypse. Mit: Klaus Dörre (Autor), Franziska Heinisch (Autorin und aktiv in der Klimabewegung), Lukas Oberndorfer (Politikwissenschafter, Mosaikblog.at). Am Samstag, den 9. Juli, 17 bis 18:30 Uhr.

Wir haben das Jahr 2022, ein knappes Jahr Ampelregierung liegt hinter uns. Etliche globale Klimastreiks ebenso. Versprochen wurde vieles, eingehalten davon kaum etwas. Im Angesicht der Klimakrise und dem Katastrophenszenario, dass auf uns zurollt, fällt es manchmal schwer, nicht aufzugeben. Man fragt sich: Was muss noch passieren, damit endlich der Stoppknopf gedrückt wird? Wie kann unser Kampf für Gerechtigkeit in einer Welt aussehen, in der bald jede Wohnung mit Klimaanlage ausgestattet wird oder Menschen sich gar tagsüber ein paar Minuten Erholung in Kühlboxen erkaufen? Es gibt die zarten Pflänzchen, die uns Hoffnung machen: Bosch-Beschäftigte vernetzen sich mit Klimaaktivist:innen, ver.di und Fridays for Future haben eine gemeinsame Kampagne zum Tarifvertrag im öffentlichen Nahverkehr gemacht, eine ganze Generation politisiert sich über das Thema. Aufgeben ist also keine Option, doch es muss sich vieles ändern. Wenn wir die Klimakrise eindämmen wollen, müssen wir endlich mächtig genug werden, um wirksam einzugreifen. Wie können wir das schaffen? Welche Kämpfe können und werden wir auch gewinnen? Kann es den demokratischen Sozialismus im Angesicht der Klimakatastrophe geben?

Panel: Neue Weltordnung und Schlussfolgerungen für die Außenpolitik der LINKEN. Mit Daphne Weber (Mitglied im Parteivorstand) und Jan van Aken. Am Freitag, den 9. Juli.

Der Angriff Russlands auf die Ukraine bestimmt derzeit nicht nur die politische Agenda, er ist auch Ausdruck einer Weltordnung in Umbruch. Welche geopolitischen Veränderungen finden da eigentlich – seit geraumer Zeit – statt und welche Auswirkungen könnte der Krieg in naher Zukunft darauf haben? Wenn vom Kampf um Einflusssphären die Rede ist, was ist genau damit gemeint? Welche Rolle spielen andere Großmächte wie die USA, die EU und China? Die Bundesregierung hat die gesellschaftliche Stimmung genutzt und ein groteskes Aufrüstungspaket angekündigt. Die Zeitenwende, von der Kanzler Scholz dabei sprach, macht auch vor der LINKEN nicht halt und hat eine Diskussion über vermeintlich zeitgemäße Außenpolitik angestoßen. Muss die Partei nach dem Beschluss des Parteitags ihre friedens- und sicherheitspolitischen Positionen noch weiter korrigieren? Welche konkreten Vorstellungen gibt es überhaupt?

Panel: Gebrauchswert der LINKEN im Osten: zerrieben zwischen AfD und „demokratischer Opposition“? Mit Isabelle Vandré (Mitglied des Landtags Brandenburg) und Janis Ehling (Mitglied des Parteivorstandes). Am Freitag, den 8. Juli.

DIE LINKE im Osten droht zwischen Rechten und liberalen Anti-Rechtskräften zerrieben zu werden. Selbst Linke-Mitglieder wählten aus Verzweiflung CDU. DIE LINKE schrumpft im Osten scheinbar unaufhörlich und nur die Grünen scheinen noch Neumitglieder zu gewinnen. Was kann DIE LINKE tun? Soll sie die bessere Antifa als die Grünen sein? Soll sie die CDU auch mal taktisch bei Wahlen unterstützen, wenn es gegen die Rechten geht oder lieber ihr eigenes Profil stärken und damit rechte Landesregierungen riskieren?

Panel: Was können linke Antworten auf die Folgen der Klimakrise sein? Mit Markus Wissen.

Mit jedem Tag schreitet die Klimakrise weiter voran. Dass das 1,5 Grad Ziel voraussichtlich verfehlt wird, ist kein Geheimnis. Das bedeutet auch, dass wir uns einerseits auf massive Veränderungen einstellen müssen und dass wir andererseits überall da, wo es noch möglich ist, Schlimmeres zu verhindern, schlagkräftig werden müssen. Wie können wir genau auf das reagieren, was zwangsläufig kommen wird? Was sind die vorherrschenden Antworten auf die Klimakrise und was können wir ihnen entgegensetzen? Für welche Maßnahmen müssen wir uns stark machen? Und wie schaffen wir es, die Folgen, die sich noch verhindern lassen, wirklich zu verhindern?

Panel: Energieunabhängigkeit? Der schmale Grat zwischen Neo-Kolonialismus und Klimagerechtigkeit. Mit Lorenz Gösta Beutin. Am Sonntag, den 10. Juli.

Der Ukraine-Krieg hat den Ruf nach Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen laut werden lassen. Gleichzeitig wird über die Wiederbelebung von Fracking, Atomkraft oder einen späteren Kohleausstieg gesprochen. Energieunabhängigkeit steht als quasi objektives, erstrebenswertes Ziel im Raum. Doch für Linke ist die Diskussion darüber nicht möglich, ohne ein paar grundlegende Fragen zu beantworten: Ist die Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen denkbar mit dem gegenwärtigen Ausmaß von Wirtschaft und Konsum oder brauchen wir massive Einschränkungen im Ressourcenverbrauch? Reicht es, Deutschland grün zu machen, während der globale Süden weiter in kolonialer Abhängigkeit gehalten wird, die Hauptlast der Klimakrise trägt? Wie erreichen wir es, dass der notwendige Wandel nicht dazu führt, dass sich die soziale Spaltung noch mehr vertieft, sondern im Gegenteil zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt?

Panel: Die Aktualität von Imperialismustheorien. Mit Christine Buchholz. Am Samstag, den 9. Juli.

So wenig, wie die ausschließliche Kritik an den USA oder der NATO als «imperialistisch» je richtig war, so falsch ist es jetzt, Russland als alleinige imperialistische Macht darzustellen.Der Imperialismus ist ein System rivalisierender Mächte der wirtschaftlich entwickeltesten und mächtigsten kapitalistischen Staaten, die um die Aufteilung der Welt untereinander im Streit liegen. In diesem Workshop wollen wir über Imperialismus diskutieren, wie wirtschaftliche Interessen und staatliches Handeln konkret zusammenhängen. Wie geht die Globalisierung der Wirtschaft einher mit der Zunahme von Nationalismus und Staatenkonkurrenz? Welchen Beitrag haben Lenin und Bucharin geleistet und wie wird über Imperialismus aktuell diskutiert?

Panel: Was ist Gegenmacht? Mit Raul Zelik.

Der Linken fehlten die Konzepte, heißt es oft. Doch tatsächlich fehlt es vor allem an der politischen und gesellschaftlichen Macht, Veränderungen durchzusetzen. Das hat nicht unbedingt mit der Zusammensetzung von Regierungen zu tun, denn auch linke Regierungen (z.B. Syriza in Griechenland) haben sich in den letzten Jahren als machtlos erwiesen. Wie also entsteht / organisiert sich die notwendige Gegenmacht für einen sozialen und ökologischen Systemwechsel? Unter Rückgriff auf Gramscis Hegemonie- und Polantzas‘ Staatstheorie werden wir diskutieren, wo eine Strategie der Linken ansetzen könnte und musste.

Panel: Auswege aus der Autoindustrie und wie eine Mobilitätswende Jobs schaffen könnte. Vorstellung und Diskussion von Studien zu Mobilitätsindustrien, Beschäftigungspotenzialen und alternativer Produktion. Mit Stephan Krull (angefragt).

Workshop: „Feminisierung der Politik“ – Was sind die Konsequenzen aus #linkemetoo für unsere Arbeit in den Kreisverbänden? Mit Alex Wischnewski.

#linkemetoo hat die Partei aufgerüttelt und eine Debatte ausgelöst, die sowohl in der Partei als auch in anderen linken politischen Organisationen die Reflexion und Weiterentwicklung der eigenen Strukturen einfordert. Das beinhaltet auch die ganz grundlegende Frage, wie Frauen und anderen benachteiligten Gruppen eine tatsächlich gleichberechtigte, diskriminierungsfreie Teilhabe ermöglicht werden kann. Zum einen als eine aktive Prävention von sexualisierten Grenzüberschreitungen, zum anderen als Teil eines Demokratisierungsprozesses, der notwendig ist, um feministisch-sozialistische Politik entwickeln und vertreten zu können. Gerade in Ländern, in denen es starke feministische Bewegungen gibt, ist das Thema auch in linken Parteien und Organisationen deutlich präsenter. Seit einigen Jahren werden dort unter verschiedenen Begriffen und Bedingungen Vorschläge einer „Feminisierung von Politik“ debattiert oder sogar bereits ausprobiert. Im Workshop wollen wir uns ein paar davon anschauen und ihren Nutzen für die LINKE diskutieren.

Panel: Streiken und gewinnen lernen: Machtaufbau durch Organizing in unseren Kreisverbänden. Mit Nina Papenfuß.

Panel: Einstieg in Klassenthorien. Mit Hans Rackwitz. Am Freitag, den 8. Juli.

Die Dramatik der globalen Klimakrise bestimmt zunehmend auch die gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen. Immer stärker wird sichtbar, dass es sich nicht allein um ein Umweltproblem, sondern um einen sozialen Konflikt handelt. Die globale Umweltkrise gilt vielen explizit nicht als Klassenfrage, sondern als Problem der Menschheit; als Konflikt zwischen reichem Globalen Norden und armen Globalen Süden oder als Kulturkonflikt zwischen ökologisch ignoranten und bewussten Konsument:innen und Unternehmer:innen. Klar scheint, die Umweltkrise hat gesellschaftliche Ursachen, wird gesellschaftlich verhandelt und birgt enormes soziales Konfliktpotential. Der Vortrag wird darlegen, inwieweit die ökologische Frage auf den Ebenen der politischen Ökonomie, der Verteilung von Lebenschancen und sozial-ökologischen Konfliktdynamiken einen Klassencharakter hat. So geht es u.a. um die systemischen Ursachen von Umweltzerstörung im Kapitalismus; um die Rolle des Konsums und globale sozial-ökologische Ungleichheiten sowie um politische Konfliktdynamiken, die sich an diesen Konstellationen entzünden. Abschließend werden knapp Überlegungen zu einer ökosozialistischen Klassenpolitik formuliert.

Talk im Park: Über Erfolge und Niederlagen verbindender Klassenpolitik. Mit Katja Barthold, IG-Metall-Jugendsekretärin in Thüringen und Moderatorin von „Klassenfrage. Ein Podcast“. Am Samstag, 20 bis 21 Uhr.

Sonst stellt Katja Barthold als Gastgeberin ihres Podcasts immer die Fragen, dieses Mal drehen wir den Spieß um und werden sie löchern nach ihren Antworten auf die Klassenfrage. Zu ihren Erfahrungen in der Klassenpolitik und den Versuchen, verschiedene Kämpfe miteinander zu verbinden. Auch zum Stand der Debatte um Klassenpolitik allgemein.

Panel: Die Rolle Chinas in der neuen Weltordnung. Mit Daniel Fuchs. Am Samstag, den 9. Juli.

Die Meinungen über die Volksrepublik China gehen weit auseinander: Die einen sehen das Land entsprechend der Selbstbeschreibung der Kommunistischen Partei Chinas als „sozialistische Marktwirtschaft“ oder zumindest auf dem Weg zum Sozialismus; für andere handelt es sich um eine kapitalistische Gesellschaft. Bietet die Struktur des chinesischen Staates evtl. trotz kapitalistischer Produktionsverhältnisse bessere Möglichkeiten zur Bearbeitung sozialer und ökologischer Probleme als in den Ländern des „Westens“? Oder muss diese Form autoritärer Staatlichkeit einer besonderen Kritik unterzogen werden? Das Verhältnis progressiver Kräfte zu China gewinnt in dem Maße an Relevanz, in dem der „Westen“ mit einer zunehmend konfrontativen Politik auf den Aufstieg Chinas reagiert. Der Workshop soll Einblicke in die chinesische Gesellschaft und insbesondere in die Entwicklung der Produktion und der Arbeitswelt vermitteln und über soziale Kämpfe in China informieren.

Außerdem: täglich Yoga mit Emmi, Wanderung durch den Schieferpark & Besuch des Schiefermuseums, Besuch der Gedenkstätte Laura, Liederabend am Lagerfeuer.